blauschwarz schwebend
for bass-clarinet 1996
The title means blew-black - hovering or gliding.
tempo: the basic tempo is quarter = ca. 90. Fluctuations of tempo are possible specially. T- / T-- or T+ / T++ indicates the relationship of to be slower or faster.
Otherwise the different terms of articulation will give an advice how to handle the actual tempo musically.
multiphonics: multiphonics and fingerings are from book NEW TECHNIQUES FOR THE BASS CLARINET of Henri Bok and Eugen Wendel ( edition Salabert / Paris)
fermata/ break: sometimes the duration is free and depends on the concrete and individual situation. Sometimes the break will be defined more exactly.
The caracter and the gesture of the piece is a kind of controlled improvisation. The colourness of the music will be created by the stream of the undirected time. There are moments of remaining, like a dancer, who is in balance for a short time and than will fall into movement again. It is the responsibility of the musician to enjoy this moment.
solos

blauschwarz schwebend
für Baßklarinette 1996
Der Charakter und Gestus des Stücks ist angelehnt an der kontrollierten Improvisation. Die Farbigkeit der Musik entsteht durch den Strom der ungerichteten Zeit. Es gibt Momente des Verharrens, wie ein Tänzer, der auf Zehenspitzen für einen kurzen Zeitraum balanciert, um in eine neue Bewegung einzuschwingen. Inwieweit der Spieler diesen Moment auskostet, soll ihm überlassen bleiben.
..an der oberfläche / in der brechung der wasserfläche/ nur dort /
im haarfeinen übergang zwischen luft und wasser.
und somit in einer schicht / die sich durchqueren läßt /
in der jedoch niemand bleiben kann.
an dieser oberfläche / glitzernd und nicht vorhanden /
da müßt ihr suchen.
und da kann man nicht suchen.
( Lars Gustafsson )
solos

Canto (1984) für Cello oder Campanula Solo
Das Stück war ursprünglich als Schlußteil eines längeren Solowerks für Cello konzipiert. Die Eigenständigkeit des ca. fünfminütigen Gesangs gab den Anstoß, ihn als selbständige Komposition spielen zu lassen. Die langgezogenen Melodietöne als ein Charakteristikum des Canto, die besonders die Resonanzsaiten der Campanula zum Schwingen anregen, wodurch ein klanglicher Reiz und eine Räumlichkeit entsteht, die zu erzeugen auf dem Cello schwerlich möglich ist, kommen der Eigentümlichkeit der Campanula stark entgegen.
CD
solos

Cantus ianalis 1986
Monodie für Sopran ( Mezzosopran ) und Klavier ( 1986 )
nach Texten von Otto Winzen, Alkman, Friedrich Hölderlin und Homer
Der Gesang des doppelgesichtigen Gottes Janus - die Tore seines Tempels sind nur in Kriegszeiten geöffnet - tönt von schwindenden Spuren und dem immer noch ziehenden schwarzen Todesschiff. Texte und Musik wie Chiffren, monodisch. Im Zentrum das zynische Gelächter einer homerschen Gottheit über den vom Kriegswahn verblendeten Menschen.
CD
Vokalwerke/vocal works
Texte:
Otto Winzen
Daß auch die Spur schwinde,
dem Meergras gleich
auf steinerner Schwelle.
Alkman
Nun ruhen der Berge Gipfel und Schluchten
die Matten und die Täler der Flüsse.
Alles Gewürm, das Wild, die schwärmenden Völker der Bienen.
Nun ruhen die vielen schmalgefiederten Vögel.
Friedrich Hölderlin
Schattenbild unserer Erde, der Mond.
Über Gebirgshöh´n traurig und prächtig herauf.
Einsam stand ich.
Homer
Und es drang aus dem Nacken die eherne Lanze
durchbohrend unter dem Hirn ihm hervor
und zerbrach die Gebeine des Hauptes
und ihm entstürzten die Zähn´und Blut erfüllte die Augen.
Otto Winzen
Aber der Königstraum dem Vogelschauer in die Seele gelegt
zieht wieder ein schwarzes Schiff.
CD
Vokalwerke/vocal works

Der Caronglo - Zyklus
umfaßt fünf Kompositionen für Solo bis Quartettbesetzung.
I für Kontrabaßsolo ( 1992 ) solos
II für vier Hörner ( 1992 ) quartets
III für Baßklarinette und Marimbaphon ( 1992 ) duos
IV "...Blumen und Steine..." für Flöte, Klarinette,
Violine und Violoncello ( 1992 ) quartets / Audio
V für Flöte, Gitarre und Schlagzeug ( 1993 ) trios
In dem Roman "Die Wanderungen des Alfanhuì" von 1951 entwirft der Autor Rafael Sánchez Ferlosio die Situation eines wortlosen, aber nicht sprachlosen Dialogs zwischen dem alten Zugochsen Caronglo und dem kleinen Wanderer Alfanhuì. Es sind fiktive Gesänge, die zwischen den beiden hinundher wandern. Im Verlauf des Komponierens erwies sich Caronglo eher als ein ästhetisches Prinzip, denn als eine konkrete Figur. So entstanden kleine, skurrile, bisweilen bizarre, aber auch in zarter Ornamentik versponnene Musiken, Szenerien und Geschichten.

...che sta così 2001 für Kayagum
Der italienische Maler Pontormo, einer der Hauptvertreter des Renaissance-Manierismus, pflegte in seinem Tagebuch ("Il libro mio", Aufzeichnungen zwischen 1554 und 1556) sein Tagewerk oft mit der immer wiederkehrenden Formel "che sta così", zu deutsch "...habe das so gemacht", abzuschließen. An den Rand des Tagebuchs sind denn auch kaum erkennbare, fast kryptische Zeichnungen an diese trockene Redewendung angefügt.
Interessant war für mich das Zusammenfügen der Zeichensetzung aus einem westlichem Pinselschwung heraus - der immer wieder durch schöpferische Pausen unterbrochen scheint - mit dem intimen Saitenklang der koreanischen Kayagum als einer modernen Figur der Begegnung des scheinbar Unvereinbaren.
Das Stück entstand 2001 auf Anregung der Kayagum-Spielerin Jocelyn Clark.
solos
Audio

Colle rondini
Quintett für Flöte, Baßklarinette, Gitarre
Kontrabaß und Schlagzeug ( 1991 )
Colle rondini meint eine Aufbruchs- und Auszugsmetapher in den utopischen Raum. Aus der Enge heraus versuchen, ins Offene zu gelangen.
"Colle rondini fugge l´ultimo strazzio. - Mit den Schwalben zieht die letzte Mühe.
In dieser Gedichtzeile bündelt Guiseppe Ungaretti große Aufbruchsgedanken, in denen auch der Tod als Ende des Lebensbogens noch Momente der Leichtigkeit, des Auffliegens enthält. Mit dem Aufschwirren der Vögel wird der Blick gelenkt auf den fernen, vermuteten Horizont.
Musikalisch schlägt sich der Gestus des Auffliegens, des Abhebens in filigranen, instabilen Formen nieder. Kleine Aufschwünge und verhaltene Ausbrüche pendeln aus, brechen ab, beginnen von Neuem. Momente einer Reise.
quintets
Audio

colori di dissidio 2004 für Akkordeon
Vielleicht können folgende Gesichtspunkte zur Idee des Stückes als einen Zyklus fasslicher und klar abgegrenzter Gestalten hilfreich sein: Ein beharrendes Terzen-Motiv, eine flüchtig verwehende Figur, ein ornamental umspielter Einzelton, Linien durch Spiegelakkorde harmonisch verdickt und auf die Fläche projiziert, rasche ausladende und polyphone Gestik, ein pulsierendes und expandierendes Klangfeld.
Wichtig war für mich der Effekt der Gestaltänderung im Moment des Erinnerns (ein typischer Vorgang in der musikalischen Wahrnehmung), die Verschiebungen und Abweichungen, das "Umsingen" etc. Musikalisches Fortschreiten nicht als konfliktgeprägter Prozess, eher liegt hier eine andere Form des Entwickelns oder besser Infragestellens vor. Ein Kreisen oder Schwingen, dessen Phasen sich immer aufs Neue verändern. Diesen Zweifel an einer letztendlichen Gestalt könnte man vielleicht als eine vitale oder offene Form bezeichnen, die jedoch bei diesem Werk am Ende in einen finalen Ton mündet.
Das Werk ist Teodoro Anzellotti gewidmet und wurde von ihm am 15.06.2005 in Nürnberg uraufgeführt.

DEINEN KOPF, HOLOFERNES
Kammeroper / chamberopera
Text Otto Winzen
Musiktheater im Revier Gelsenkirchen MIR
Premiere 11.2.1989
Musikalische Leitung: Helmut Imig Inszenierung: Hajo Fouquet Bühne und Kostüme: Benedikt Ramm Musikalische Assistenz; Hermann Nass, Robert Roche Inspizienz: Rüdiger Zagolla Souffleur: Friedel Weitkamp
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Ausführende: |
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Judith I - Lia Kähler
Judith II - Eva Tamulénas
Holofernes - Johann Werner Prein
Drei Würdenträger
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Noriko Ogawa
Tom Martinsen
John Riley-Schofield
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Ein Koch - Walter Cuhay |
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Mitglieder des Philharmonischen Orchesters der Stadt Gelsenkirchen
Bühnenwerke/plays
Audio

Der Traum der Silhouette
Triptychon für Streichtrio ( 1985 )
In einem Gedicht von E.E.Cummings gibt es eine Stelle, die lautet: "Im Spiegel sehe ich einen zarten Mann / Träume träumend / Träume im Spiegel. Im Vorgang des Sich-Erinnerns, des Tagtraums, steckt eine Art Spiegelungseffekt. Das Erinnerte kommt oft nie direkt, sondern gleichsam verzerrt, wie gefiltert ins Bewußtsein. Neben klaren Bildern führt nebelhaft Verschwommenes ein phantastisches Eigenleben. Natürlich betreibt das Unterbewußtsein eine Art Selektion bei der "Auswahl des musikalisch Erinnerten. Vorlieben und Vermeidungsstrategien liegen dicht beieinander. Das in diesem Stück selektierte Material besitzt eine nichtgewollte, aber nachträglich entdeckte, untergründige Programmatik.
trios

Gartenstücke
vier Haiku mit einem Epilog
für Sopran und Klavier 1999
Texte:
Basho
Der alte Teich
Ein Frosch springt hinein -
Das Geräusch des Wassers.
Masa-Oka Shiki
Kunstvoll
habe ich in Blüten aufgehängt
die Lampe.
Die Stundenblume -
noch während ich sie male
dahingewelkt.
Saito Mokichi
Vom Altpapier
das ich im Garten hier, verbrenne,
steigt Rauch auf.
Die ich geliebt,
wie fern, wie fern jetzt.
Vokalwerke/vocal works
Audio

...gewachsen ins Auge
nach Texten von Johannes Kühn
für Sopran, Klarinette, 2 Violinen und Violoncello 1999
Die Arbeit am Stück begann mit einem Sich-Hineintastens in die Texte Johannes Kühns. Ich habe mir einige Fragmente ausgewählt, die mir beim Lesen besonders auffielen. Sie bildeten das textliche Gerüst des Stückes. Es handelt sich also nicht um ein Vertonen der Gedichte im klassischen Sinne, sondern es ist eher eine behutsame musikalische Annäherung an den Text. Aus der stillen Lektüre tauchen einzelne Bezüge auf und werden Klang, finden zur Stimme. Es geht natürlich auch um die Aura der Texte. Hier kann Musik einsetzen, als eine subjektive Ebene des Komponisten.
Vokalwerke/vocal works
TEXTE
"...gewachsen ins Auge" Fragmente aus Gedichten von Johannes Kühn
A
(aus Die Landschaft schreibt)
sandschwer,
steinschwer,
grasleicht,
lufthell.
B
(aus Nach dem Begräbnis)
...daß mit den Bächen
ich abstürz im Rausch des Lebens
C
(aus Beim Mondlicht)
Unterm Mond
Hügelsprünge.
D
(aus Nachtgesang)
...ging ich metallene Wege der Nacht.
E
(aus Dorfmusik)
Aus dunklen Hosentaschen fahren lange Arme
und geistern schwingend durch die Luft
wie Zweige
(aus Träumerei)
Die Pfennige des Glücks
sind auf dem Pflaster tanzend
F
(aus Nacht)
...hat ihn niedergeschlagen die Nacht
wie einen Schmetterling...
G
(aus Überblick)
Sterne
habe ich gezählt,
Sand mit dem Fuß aufgesprüht,
anderen Unsinn getrieben.
besungen habe ich die Feuer der Königskerzen,
Pirol, der vom Ast den Gong übt.
H
(aus Das Dorf)
Das Heimweh
hat viele Häuser.
I
(aus Erwartung)
Aufgestoßen sind
alle Türen der Sinne.
Erwartung,
ein Fest,
auch wenn keiner kommt.
J
(aus Finsternis)
Dann aber ausgeloschen die Sonne
hinter den Bergen...
K
(aus Mond, mein Freund)
Du mußt mir bei sein
am Abend,wenn ich zu dir will,
mein Mond,
du wirst das Dorf mir weihn
in später Nacht. Du bist nicht laut und schrill,
mein Mond.
L
(aus Nur mit den Raben)
Es hat sich der Winter eingenistet
in Aug und Mund.
M
(aus Erinnerung)
Es ist mir ein Eis gewachsen ins Auge.
N
(aus Mittag)
Ich fand
für mein Herz einen Mittag.
Nur ich Trunkener fiel,
und die Augen
erstickt vom gelben Licht.
O
(aus Am Fluß)
Ich hab ein Ohr
für Gärten, die leise werden
in des Nebels Gespinst.
P
(aus Am Fenster der Verheißung)
...immer noch griff
ich die Schatten...
Vokalwerke/vocal works
Audio

Glasnacht
Nachtstücke für Sopran, Flöte, Violoncello, Gitarre und Schlagzeug 1982
Die Komposition Glasnacht entstand 1982 in Zusammenarbeit mit dem Kölner Lyriker Otto Winzen (er lebt heute in Frankfurt a.M.) während meines Aufenthalts in der Deutschen Akademie Villa Massimo, Rom.
Es sind Nachtstücke. Texte und Musik sind Reflexionen bzw. Versuche, im Dunkeln Liegendes, geschichtliche vergangenheit, die immer noch unverarbeitet im Schutz der Nacht wirkt, zu erhellen, gläsern werden zu lassen. Es sind subjektive Traumnächte, Traumgesichte, Visionen von Blut- und Raubnächten.
Eine solche Thematik reizte mich insbesondere deshalb, weil die Villa Massimo sich in einem alten Faschisten-Viertel Roms befindet. Mussolini residierte hier in der nahegelegenen Villa Torlonia. Das Büro der heutigen Adapten lag 1982 quasi um die Ecke in einer Seitenstraße der Piazza Bologna.
Textausschnitt zu Glasnacht (Text Otto Winzen):
Worte aus Eis
unausgesprochen zersprungne
aus
grauer Netze Mund
treiben Wirbel
zu lautlosen Schrecken
der die Wege fand
jenseits
der Glasnacht
alter Pergamente Schlaf
Wundgräben
um Jahrtausende geflochten
Raubstätten
durch alte Pfade
verbunden zur Macht
Vokalwerke/vocal works
Audio

Hongsedehudïe
for alto saxophone and vibraphone 1992
Hongsedehudïe is Chinese for "red butterfly". At least, that´s what it denotes. Volker Blumenthaler´s piece however owes much of ist colouring to the connotations it usually has: "brightly coloured woman" or "voluptuous woman". Hongsedehudïe touches on these various contrasts of meaning (butterfly vs. woman, red vs. seduction, innocense vs. vitue etc.) by moving from one to the other like a butterfly hovering from flower to flower.
duos

Bemerkungen zu hoti chronos
Das Stück hoti chronos (nach dem Textanfang des Kapitel 10 der Offenbarung des St.Johannis) ist ein musikalischer Kommentar zu dem Apokalypse-Zyklus von Max Beckmann. Mit der Einbeziehung von bestimmten Texten erschließt sich neben der klanglichen Ebene auch eine textliche. Durch die spezifische Auswahl differenziert sich der Kommentar und berührt verschiedene Facetten des Themas und der Ästhetik Beckmanns.
Ich habe das Bild Nr.13 als point of view ausgewählt, weil hier bei Beckmann ein produktiver Konflikt zwischen dem Thema und seiner ästhetischen Position zu erspüren ist. Die Apokalypse und besonders dieses Bild thematisiert Zeit in ihrem Dualismus von Ewigkeit des Göttlichen und der Begrenztheit des irdischen Lebens. Beckmann postu-liert in seinen Äußerungen (Londoner Rede von 1938) auf verschiedene Weise das Primat des Raums („Raum - - - - Raum - - und nochmals Raum - - die unendliche Gottheit, die uns umgibt und in der wir selber sind“). Mit dieser Äußerung deutet Beckmann auch das Thema Wiedergeburt, also Kreisform der Zeit an. Bild Nr.13 betont mit seinem Untertitel das Ende aller Zeiten. Ohne allzu sehr ins Exegetische zu gehen, ist damit das Ende der irdischen Zeiten gemeint. Auf dem Bild sieht man zwei Engel, die den Zeiger der Uhr des „Welttheaters“ festhalten. Darunter liegt ein Mann, der die Augen mit der Hand bedeckt. Er will nicht mehr sehen oder er schaut in sein Inneres.
Mit seinem letzten Bild „Hinter der Bühne“ (1950) setzt Beckmann eine andere Interpretation eines Endes. Mit dem „Abstürzenden“, ebenfalls von 1950, meint der Künstler nicht einen Sturz in den Tod, sondern laut seiner Frau Quappi das Thema der Reinkarnation.
Ich interpretiere das dreizehnte Bild der Apokalypse in dieser Weise: Innenschau („Suche nach einer höheren Welt“) und Ende unserer Zeit. Die ausgewählten Texte bringen aber noch eine andere, eine ironische, fast paro-distische und kritische Note ins Spiel. Nietzsche, dessen Zarathustra Beckmann schätzte, übersteigert narzisstisch die Ewigkeitstrunkenheit, Poe demaskiert das Welttheater - von höheren Ebenen ist da nichts zu spüren. Musikalisch entrollt sich das Stück wie auf einer Bühne mit dramatischem Auftritt und Theaterdonner zum Schluß. Der musikalische Kommentar ist ein Blick von hinter der Bühne auf den Betrachter.
Vokalwerke/vocal works

IL FIORE DEL DESERTO
GIACOMO LEOPARDI
aus Canto XXXIV
Qui su l´arida schiena
Del formidabil monte;
Sterminator...
Hier auf dem kahlen Rücken
Des schreckgewaltigen Berges,
Des Vernichters...
Odorata ginestra,
Contenta dei deserti...
Duftender Ginster,
Genügsamer der Wüsten...
E del perduto impero...
...ricordo al passeggero
Und vom untergegangenen Reich...
...nur Erinnerung dem Fremden
Una ruina involve,
Dove tu siedi...
Eine Ruine rings,
Wo du blühst...
Qui mira e qui ti specchia,
Secol superbo e sciocco...
Del rirornar ti vanti,
E procedere il chiami.
Hier spiegele dich, du eitles
Hoffährtiges Jahrhundert...
Des Irrwegs du dich rühmst,
Auf dem du weiterschreitest.
...( che ) obblio
Preme chi troppo dall´età
propria increbbe.
...( wer ) sich der Zeit entgegenstemmt,
fällt ins Vergessen.
Sovente in questo rive,
Che, desolate, a bruno
Veste il flutto indurato,
e par che ondeggi,
Seggo la notte; e su la mesta landa
In purissimo azzurro
Veggo dall´alto fiammeggiar le stelle.
Oft sitze ich hier am Hang,
Wo der versteinte Strom,
Trostlos und dunkel, noch zu fließen
scheint,
Die lange Nacht; und auf das öde Land
Im reinsten Himmelsblau
Seh ich von oben her die Sterne flimmern.
Come d´arbor cadendo un picciol pomo
So wie vom Baum fallend der reife Apfel
Schiaccia, diserta e copre
In un punto...
Dall´utero tonante
Scagliata...
Zerstört, zerquetscht, verheert
Mit einem Schlag...
Aus dröhnendem Schoß
Emporgeschleudert...
E al deserto foro
Diritto infra le file
Dei mozzi colonnati...
E la cresta fumante...
Und auf dem leeren Forum
Durch Reihen
Zerbrochner Säulen hindurch...
Und der qualmende Krater...
E nell´orror della secreta notte
Per li vacui teratri,
per li templi deformi e per le
rotte case...
...il baglior della funera lava...
Che di lontan per l´ombre
Rosseggia ( e i ) locchi intorno tinge.
Und in dem Schrecken der geheimen Nacht
Durch verlassene Theater,
Durch geborstene Tempel und durch
Häusertrümmer...
...der Todesschimmer der Lava...
Die von fern das Land ringsum
In dunkles Rot eintaucht.
E tu, lenta ginestra...
Anche tu presto...
Soccomberai del sotterraneo foco
Und du, biegsamer Ginster...
Auch du wirst bald...
Dem unterirdischen Feuer unterliegen
aus Canto XXXV
Povera foglia frale
Dove vai tu ?
Armes welkes Blatt
Wo gehst du hin ?
Vo dove ogni altra cosa,
Dove naturalmente
Va la foglia di rosa
E la foglia d´allorco.
Ich weh im Windeswehn,
Wohin die Dinge gehn,
Das Blatt der Rose auch
Und das vom Lorbeerstrauch.
Vokalwerke/vocal works

Im Garten Armidas träumt François de Nome II
(François de Nome dreams in the garden of Armida)
comments on the
trio for flute, violoncello and piano ( 1991 )
This composition is part of a group of pieces which I have written about painters, their words, paintings or the esthetics of painting. Painters like Dürer, Piranesi, Hogarth were in the focus of these compositions.
In this case I was fascinated by the manieristic and enigmatic painter Desiderio Monsú whose paintings were rescued from oblivion since 1950. He was an artist of the magic and surealistic shower. In his picture world we will find imploding churches, wild and bizar architecture, passed through by a breath of decay.
In the time of his activity (ª1625)as painter we hear some speculation and rumors about his identity as a real person. Nobody knows whether Desiderio Monsú, Didier Barra or François de Nome were a kind of group of artists or the pseudonym of always the same person. It is a typical game of this time with the discordia concors. (Thats means the combination of pictures which have strange and distant aspects or the disclosureof hidden similarity of different things.)
In my piece the apogryphe François de Nome dreams in the 'hinterland' of his paintings, in the garden of Armida. He dreams of the aspects of his trinitarian and splitted person. He meets Mr. Guillaume Dufay and he will be lost in the geometrical maze of a tetraktys. ( A tetraktys is a figur of numbers, shaped as a triangel, created by Pythagoras.)
The first version of the piece written in 1989 was done for recorder, viola da gamba and harpsicord. The second version of 1991 is worked out for the modern instruments flute, violoncello and piano.
trios
Audio

Im Garten Armidas träumt François de Nome I
Trio für Blöckflöte(n), Viola da gamba und Cembalo ( 1989 )
In einem Teil meiner Kompositionen spielt die Auseinandersetzung mit der bildenden Kunst eine wichtige Rolle. Dabei geht es weniger um eine Transposition eines Bildes in Klang, also nicht um Klangbilder, sondern um eine Beschäftigung mit der Person des Malers oder dessen Denken, natürlich auch um spezifische Bilder, aber auch um die Ästhetik des Malens. Maler wie Dü-rer, Piranesi, Hogarth, Desiderio Monsù, in jüngerer Zeit auch verschiedene chinesische Maler sind Gegenstand dieser Musiken.
Der geheimnisvolle Maler Desiderio Monsù, um dessen Bilderwelt es in dem Trio vornehmlich geht - sein Werk wurde erst um 1950 der Vergessenheit entrissen - war aus heutiger Sicht ein Maler des surealistischen Schauers. In seinen Bilderwelten finden wir implodierende Kirchen, wilde und bizarre Architekturen voller Stilzitate. Es ist eine manieristische Theaterlandschaft, in die wir erstaunt hineingezogen werden.
Schon zu seinen Lebzeiten (ca. um 1625) rankten sich Vermutungen und Ge-rüchte um die Identität seiner Person. Niemand weiß, ob Desiderio Monsù, Didier Barra oder François de Nome eine Art Künstlergruppe oder ein und dieselbe Person waren. Es bleibt ein manieristisches Spiel mit wechselnden Identitäten. Der oder die Künstler scheinen hinter Masken zu verschwinden. Fast scheint es, als ob Monsù sich in das Hinterland seiner Bilder hineinträumt, in seinen "Garten Armidas", und sich verliert in den dreifachen Aspekten seines Ichs. Maske und Labyrinth als Metapher jener Zeit haben in unserem Zeit-alter Ihr Korrelat in der Simulation und medialen Illusion.
» Prolog - Danza di Monsù - Triade - Barra - Intermedium - Tetraktys/Labyrinth « lauten die einzelnen Abschnitte des Trios. Das Stück entrollt sich denn auch wie ein fiktives Bühnentableau, mal Tanz mal Portrait, dann Szene, zum Schluß eine Art Ortsbegehung.
Die erste Fassung des Stücks von 1989 ist für Blockflöte, Tenor-Baß-Gambe und Cembalo geschrieben. 1991 erfolgte eine zweite Fassung, eine Umarbeitung für die "moderne" Besetzung Querflöte, Violoncello und Klavier. In das Stück spielt durch diese sehr unterschiedlichen Klangidentitäten etwas von Monsùs Maskenspiel hinein.
trios
Audio

Im Garten Armidas träumt François de Nome II
Trio für Flöte, Violoncello und Klavier ( 1991 )
In einem Teil meiner Kompositionen spielt die Auseinandersetzung mit der bildenden Kunst eine wichtige Rolle. Dabei geht es weniger um eine Transposition eines Bildes in Klang, also nicht um Klangbilder, sondern um eine Beschäftigung mit der Person des Malers oder dessen Denken, natürlich auch um spezifische Bilder, aber auch um die Ästhetik des Malens. Maler wie Dü-rer, Piranesi, Hogarth, Desiderio Monsù, in jüngerer Zeit auch verschiedene chinesische Maler sind Gegenstand dieser Musiken.
Der geheimnisvolle Maler Desiderio Monsù, um dessen Bilderwelt es in dem Trio vornehmlich geht - sein Werk wurde erst um 1950 der Vergessenheit entrissen - war aus heutiger Sicht ein Maler des surealistischen Schauers. In seinen Bilderwelten finden wir implodierende Kirchen, wilde und bizarre Architekturen voller Stilzitate. Es ist eine manieristische Theaterlandschaft, in die wir erstaunt hineingezogen werden.
Schon zu seinen Lebzeiten (ca. um 1625) rankten sich Vermutungen und Ge-rüchte um die Identität seiner Person. Niemand weiß, ob Desiderio Monsù, Didier Barra oder François de Nome eine Art Künstlergruppe oder ein und dieselbe Person waren. Es bleibt ein manieristisches Spiel mit wechselnden Identitäten. Der oder die Künstler scheinen hinter Masken zu verschwinden. Fast scheint es, als ob Monsù sich in das Hinterland seiner Bilder hineinträumt, in seinen "Garten Armidas", und sich verliert in den dreifachen Aspekten seines Ichs. Maske und Labyrinth als Metapher jener Zeit haben in unserem Zeit-alter Ihr Korrelat in der Simulation und medialen Illusion.
» Prolog - Danza di Monsù - Triade - Barra - Intermedium - Tetraktys/Labyrinth « lauten die einzelnen Abschnitte des Trios. Das Stück entrollt sich denn auch wie ein fiktives Bühnentableau, mal Tanz mal Portrait, dann Szene, zum Schluß eine Art Ortsbegehung. Die erste Fassung des Stücks von 1989 ist für Blockflöte, Tenor-Baß-Gambe und Cembalo geschrieben. 1991 erfolgte eine zweite Fassung, eine Umarbeitung für die "moderne" Besetzung Querflöte, Violoncello und Klavier. In das Stück spielt durch diese sehr unterschiedlichen Klangidentitäten etwas von Monsùs Maskenspiel hinein.
trios
Audio

inbilderzerfliessend 2003
eine hommage an die Dichterin Christine Lavant
Musik als eine mögliche Annäherung: Klang-Inbilder, Netz innerer Wandlung, zerfliessend. Erahnung eines Streits, eines Ringens wie Hiob mit ihrem Gott, dem sie alles Wissen um das Leiden abtrotzt: "...denn in der Mitte meiner Ohren gellt von Schicht zu Schicht die eingesprengte Glocke". Ihr Tanz ein "Ausweg zum innersten Tod": "Verschüttet nun......die gläserne Hälfte der Welt, darin alle Bilder...". Inbilder, zerfliessend: "Oft verliere ich mitten am Tage den Faden meiner Zeit."
Die Komposition entstand 2003 im Auftrage der Gesellschaft für Neue Musik Hannover und ist dem Ensemble Phorminx gewidmet.
quintetts
Audio

Intermezzo for cello solo
from Glasnacht - notturnos
for soprano, flute, guitar, cello and percussion 1982
The composition Glasnacht ("glas night" or transparent night in a figurative sense) was written in 1982 during my stay at the German academy Villa Massimo/Rome. The subject of the short poems of the young German poet Otto Winzen is to speak about the roots of fascism which lead in our present days.
For me it was interesting that the Villa Massimo was nearby the Villa Torlonia, where Mussolini has lived in Rome. The quarter, where the German academy is placed, was the headquarters of the new Italian Fascist party in that time. At the same time the Fascist militaries of Argentina tried to occupy the Falkland Islands. So my plan to compose those texts became a thrilling and actual reality.
The short "Intermezzo" out of the cycle is a very personal reflection on the theme.
solos

Notizen zu Invenzioni capric
a nove ( 1990 )
Das Capriccio, ein Genre der Malerei, Darstellung einer Ruinenlandschaft. Beliebt waren antike Monumente, phantasievoll kombiniert zu einer oft bizarr anmutenden Trümmerwelt.
Der Capriccio-Blick auf unsere alltägliche Welt enthüllt keine poetisch stimulierende Phantasmagorie, nur noch apokalyptisch wirkende Müllhaufen fortschreitender Zerstörung. Haftet den antiken Steinhaufen immer noch ein Rest ästhetischen Scheins, Spuren einstiger Größe an, so reflektieren die Glasfassaden der heutigen Tempel der Macht die Ergebnisse der profanen, tagtäglichen Vernichtung.
Das Capriccio gewandelt vom manieristisch erdachten Ruinenplatz zum endzeitlichen Todesbild.
Invenzioni capric...das Subtile, das Feinziselierte, Reste von Ornamentik, Bruchstücke gegen plötzlich auftrumpfende Schübe von Gewalttätigkeit; Anmaßungen einer kurzatmigen Gegenwart, betäubende Lärmwand. - Bei aller Heftigkeit mancher Ausbrüche sind es nie stabile Klangflächen oder Blöcke. Im Inneren dieser Lärmwände herrscht Unruhe, Instabilität, die diese scheinhafte Monumentalität zum Einstürzen bringt. Immer wieder Musikmaschinen, hektische Konstruktionen, die sofort wieder kaputt gehen.
chamber music/ensemble
Audio

Bemerkungen zum Jason - Essay ( 1993 ) für sieben Instrumentalisten
Am Ende der Komposition stand eine Zahl. Die Zahl Elf : die "unreine" Zahl bei den Christen, bei den Arabern die "stumme" Zahl und im Tarot sie Zahl des Weges oder der Entscheidung.
Im Zusammenhang mit dem Jason - Mythos ergibt sich eine zufällige, aber für mich bemerkenswerte Koinzidenz. Jason ist der Suchende, der geführt vom Zufall oder doch von Außen kommenden Ereignissen das Ziel scheinbar erreicht. Weil er den Weg nicht in eigener Verantwortlichkeit beschreitet, sondern nur mit Hilfe von Göttersöhnen und der zauberischen Medea an den Ort gelangt, wo Licht und Hades sich treffen, bringt ihm, als dem "Geführten", das Goldene Vlies kein Glück. Der erste große Suchermythos der Griechen ist auch ein Mythos des Scheiterns. Eine Variante der Saga berichtet, daß der alte Heros sich unter die morschen Planken der Argo legt und von den herabstürzenden Trümmern erschlagen wird.
Die Zahl Elf hat sich "zufällig" und mir Macht in die Komposition eingeschlichen. Zu Beginn stand der Titel, der am Ende durch die Zahl komplementär ergänzt wird. Sie regiert den Umfang, die Dauer, die entscheidenden Schnittpunkte der Dramaturgie, sogar einzelne klangliche Ereignisse und zuletzt gar auf beinahe unheimliche Weise den Zeitpunkt der Fertigstellung. Hier war der Komponist ein vom produktiven Zufall "Geführter".
Das Stück eröffnet mit einem Prolog der drei Streicher. Er entstand nach dem Essay und setzt diesen dadurch in ein anderes Licht, in eine dramatische Situation.
chamber music/ensemble
Audio

JASON - STUDIE für Streichquartett ( 1991 )
Dem Stück liegen zwei verschiedene Skizzen, zu einem Streichtrio und zu einem Quartett, zu Grunde. Das Material beider Torsi wurde zu der jetzigen Form zu-sammengeschmolzen. Das Scheitern und das Neuansetzen prägt den Grundzug des Stückes. Hierin liegt Verwandtes mit dem Jason-Mythos: Ausfahren, Finden und Verlieren. Diese erste große Reise der griechischen Heroengeschichte, diese Vorodyssee, steht in einem Bezug zu uns Heutigen. Die Metapher des Ausfahrerns birgt utopisches Potential, ebenso die Metapher des Schiffs als Ort eines Transfers in unbekannte Räume, wenn auch diese Räume eher in unserem Kopf aufzusuchen wären. Nur, die Kraft zur Utopie, zum Traum vom Goldenen Vlies scheint heute merklich erlahmt. Jason hat den "großen Traum" und mit Macht bricht er auf zu seinem fernen Ziel. Darum steht zu Beginn des Quartetts eine musikalische Kraftmetapher, eine Geste des Aufbrechens. So wie das Ziel immer näher rückt, so wird diese musikalische Figur deutlicher und differenzierter. Aber sie zerfließt wie ein Trugbild bei näherem Augenschein, denn Jason gelangt eigentlich blind und ohne eigenes Zutun an sein Ziel mit Hilfe des mythischen Schiffes Argo, seiner mythischen Begleiter und einer Frau, die er nicht gesucht hat, Medea. So wandelt sich diese Figur vom Kraftvollen ins Träumerische, zerfasert, zerrinnt. Sie formt für einen kurze Zeit ein Bild des ersehnten Vlieses. Im Moment der Agonie zerstäubt es wieder. Zwischen dem Auftönen der Kraftmetapher Aufbrüche, Ausfahrten, verschieden Stationen, Teilstücke einer Reise.
chamber music/stringquartets
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JUDITH-MONOLOG
für Sopran (Mezzo), Viola und Klavier 1986
nach einem Text von Otto Winzen
Es ist der Eingangsmonolog zu meiner Oper "Deinen Kopf, Holofernes"
(Libretto: Otto Winzen).
In Wachträumen und Halluzinationen dringt die alt gewordene Judith zu Fragmenten ihrer Geschichte vor. In ihrem Tempel, abgeschlossen von der Außenwelt, beginnt sie allmählich einen teil ihres Schicksals und ihre Verwobenheit in ein Geflecht politischer Ränke zu erahnen.
Vokalwerke/vocal works

KATECHU
Zum Titel: KATECHU ist die Bezeichnung eines Extrakts aus hinterindischem Akazienholz, wird auch als gerbstoffhaltige Droge benutzt.
Das erste Katechu (1998) ist eine kurze, sehr konzentrierte Musik für zwei Klaviere von knapp zwei Minuten Dauer.
Aus diesem Stück heraus entstand die Idee, eine lose Folge verschiedener Transformationen für unterschiedliche Klangkörper zu entwickelnKatechu/Transformation I aus dem Jahr 1999 ist für Orgel komponiert.
duos
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Das Trio für Baßklarinette, Viola und Klavier Katechu/Transformation II (2000), ist die zweite Transformation, die sich auch schon weit von der Ausgangsvorlage entfernt hat. Trotzdem könnte man bestimmte Elemente und Abläufe aus der Ausgangsversion erkennen, die in anderer Ausformung weiter schwingen. Die Folge der Katechu - Transformationen ist nicht als ein geschlossener Zyklus gedacht, sondern als eigenständige Aspekte einer Ausgangsidee, als ein "work in progress". Es ist wie ein Kreisen um eine bestimmte Idee, an der sich ein musikalischer Prozeß entzündet, um dann immer eigenständiger sich zu entfalten.
Das Trio entstand auf Anregung des Baßklarinettisten Volker Hemken.
trios

labili arti 2001
Quartett für Blockflöten (3 Spieler) und Akkordeon
Fäden, Schlingen, Fasern, Knoten,
Gewebe...luftbewegt...
...durchfließend, gleitend, wirbelnd, sich entleerend...
flüchtige Erscheinung,
sich entziehend, fliehend,
sich aus dem Staube machend...
Das Stück entstand auf Anregung von Jeremias Schwarzer, Mitglied des trio diritto.
chamber music/quartets

la escalera Idylle für Sopran (Mezzo), 11 Bläser, Klavier und Kontrabaß
Text (spanisch/deutsch)
La escalera (Octavio Robleto)
Die Treppe
Sube escalones
a saltos
rápidos
ágil
la muchacha.
Beschwingt
eilt die Stufen
mit raschen Sprüngen
das Mädchen
empor.
Abajo
el ojo
turbado
sigue
el ritmo limpio.
Verwirrt
folgt
das Auge
von unten
dem kristallenen Rhythmus.
Dos perfumes (Manolo Cuadra)
Zweierlei Duft
Quemada su piel de pétalos,
su piel brillante y tensa
inflaba el globo de su blusa.
Es flammte von Blütenblättern die Haut;
ihre leuchtende, straffe Haut
schwellte die Kuppen der Bluse.
Su perfume era rojo... Ihr Duft war rot...
Flotaba come un ala,
como una caricia hecha sin manos.
Schwebte leicht wie ein Flügel
wie eine Zärtlichkeit jenseits aller Berührung.
Su perfume era rojo... Ihr Duft war rot...
La escalera (Octavio Robleto)
Die Treppe
Yo subo también
y en la terazza
le declaro el amor
que agita mi costado.
Ella responde: No.
Y yo maldigo la escalera
y el haber subido inútilamente.
Y cuando otro día
ella sube
falda atractiva
blusa leve
yo me desentiendo
y pienso en otra cosa.
Auch ich steig empor
und auf der Terrasse
gesteh ich ihr meine Liebe
die meine Lenden erregt,
Ihre Antwort ist: Nein.
Ich verfluche die Treppe
und meinen nutzlosen Aufstieg.
Und wenn sie wieder hinaufsteigt
anderen Tags
mit todschickem Rock
und luftiger Bluse,
beacht ich es nicht
und denke an anderes.
(Übers. Uwe Grüning)
Vokalwerke/vocal works
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La Furia
Concertino für Violine und Schlagzeug 1977
Das Stück entstand 1977 auf Initiative von Hans Werner Henze für den "Cantiere internazionale d´arte" in Montepulciano/Italien. Die Thematik des damaligen Cantiere, eine Art internationaler Kunstbaustelle, kreiste um den Orpheus-Mythos.
La Furia ist als eine parodistische Facette der Gesamtidee zu verstehen. Die betrunkene Rachegöttin tötet im Rausch den unglücklichen Orpheus. Der Tod des Sängers ereignet sich als Unfall auf tragikomische Weise. Die Besetzung ist in dieser Form eigentlich ungewöhnlich. Der Schlagzeugpart konzipiert als Drumset entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Jazz-Schlagzeuger Michael Küttner, der zusammen mit der Geigerin Jenny Abel die Uraufführung spielte.
duos

Las raíces
Fragmente aus dem "Canto general" von Pablo Neruda
für Mezzosopran, Flöte und Gitarre ( 1992 )
Die Gedichte Pablo Nerudas haben für mich intensiv mit den siebziger Jahren zu tun. Irgendwie sind Affinitäten zu bestimmten Texten auch etwas temporäres, gebunden an Lebensumstände. Hinzu kommt natürlich der konkrete Zusammenhang mit Chile vor und nach dem Putsch von 1973. Mitte der siebziger Jahre entstand eine ganze Reihe von Kompositionen, die sich mit der Lyrik Nerudas und den politischen Verhältnissen im damaligen Chile beschäftigen. Darunter das Poem oder "11.September 1973 für Sopran und Horn. Nerudas Lyrik wuchert wie ein tropischer Regenwald. Manche seiner Sprachschöpfungen verliert sich darin, verschwindet hinter Kasskaden von Metaphern. Für die Komposition Las raíces habe ich darum einzelne Fragmente aus dem Canto general ausgewählt, um so eine textliche Konzentration zu erreichen, die mir zum Komponieren geeignet schien. Die Auswahl ist natürlich subjektiv, beleuchtet aber durchaus die Aspekte des ganzen Canto wie ein Schlaglicht. Las raíces, zu deutsch "die Wurzeln, dieser Begriff ist für Neruda der zentrale Nenner seiner Lyrik, seines dichterischen Selbstverständnisses. Dieser Begriff drängte sich förmlich als Titel des Stückes auf. Neruda war ein Verfechter der "arte impura und der arte povera, darum auch ein bescheidenes Instrumentarium. Zum Gesang gesellen sich als Gefährten die Flöte und die Gitarre, beide als Synonyme für "raíces.
Die Überschriften der vier Lieder lauten:
del aire al aire ( Von Himmelsstrich zu Himmelsstrich )[ Ges., Fl.,Git.],
la línea roja ( Die blutrote Linie )[ Ges., Git.],
ceniza, ramo negro ( Asche, schwarzer Zweig )[ Ges., Fl.],
la lluvia ( Der Regen )[ Ges., Fl., Git.]
Die Komposition enstand 1992 in Taipeh.
Vokalwerke/vocal works

Le boeuf dans l´arbre ( 1988 ) für Tuba und Klavier
1.Portrait
2.Travestie
3.Le miroir furieux
duos
Lover´s maze
Three songs for soprano and piano ( 1985 )
Der Liederzyklus umfaßt Texte von John Donne, W.C.Williams und James Joyce. Im "Irrgarten der Lüste erhascht der verblendete Liebhaber drei Facetten einer weiblichen Phantasmagorie. In "witchcraft by a picture von John Donne ist es ein manieristischer Spiegelzauber, bei W.C.Williams wird daraus eine hitzige Collage aus Pin-up-girl und Autowerkstatt und verwandelt sich zuletzt durch Joyce´sche Sprachmagie in die bizarre Erscheinung der amorphen Meerjungfrau "Anna Livia Plurabelle.
Vokalwerke/vocal works
zum Klavierlied

mao-bi (2002)
für Erhu Solo
Mao-bi, das sind im Chinesischen die Pinsel eines Malers oder Kaligraphen. Die drei Teile des Zykluses sind musikalische Reflexionen über einige chinesische Maler (1.Kao Qi-Bei, 2. Tao-Chi and 3. Chu Ta).
No.1 für Kao Qi-Bei (1672-1734) - manche haben diesen Künstler als exzentrische bezeichnet- transformiert seine sehr spezielle Technik mit Fingern und gespaltenen Fingernägeln zu malen. Für heutige Zeitgenossen trägt seine Malerei ausgesprochen moderne, impressionistische Züge. Der physische Aspekt plötzlicher Bewegungsausbrüche und ebenso unvermitteltem Innehalten beeinflußte die kompositorische Idee.
Der Charakter des zweiten Stücks für Tao-chi (1641-1717) ist geprägt von großer Dichte. Tao-chi´s Malstil wurde gerühmt wegen seiner "Essenz des Natürlichen". Er malte nicht einen Berg, sondern das Wesen eines Berges.
No.3 ist "Chu-Ta" betitelt. Er war eine Maler während der Ming-Dynastie und lebte von 1642 bis 1705. Seine Zeitgenossen hielten ihn für verrückt, weil er dem Wein sehr intensiv zusprach, während er malte. Aber das klingt auch nach einer Technik, um die Kontrolle des Bewußtseins auszuschalten, den seine Malerei ist weit entfernt, verrückt oder unkontrolliert zu sein. Sein Stil war ausgesprochen sensibel, sehr individuell und unakademisch. Im Stück erscheinen, wie Farben oder Linien, verschiedene Arten von Glissandos und Triller, die manchmal in einer plötzlichen Geste ausschwingen. Die Phrasen sind gelegentlich durch lange Pausen unterbrochen ähnlich weißen Flecken auf dem Papier.
engl.
The general title of this cycle for erhu solo is "mao-bi" (brushes).
The compositions are musical reflections on some chinese painters
(1.Kao Qi-Bei, 2. Tao-Chi and 3. Chu Ta).
No.1 for Kao Qi-Bei (1672-1734) - he was named as an excentrical painter - will transform his technic of painting with fingernails and fingers. For a nower days observer his painting has a very contemporary touch. The physical aspect of unexpected movements and sudden pauses inspired the compositorical idea.
The character of the 2nd piece for Tao-chi (1641-1717) is marked by density. The music is powerfull and strong and transforms a powerfull feeling of a mountain. Tao-chi´s art of painting is famous for its essence of nature.
No.3 is intitled "Chu-Ta". He was a painter during the Ming-dynasty and lived from 1642 till 1705. The historians tell, that he was crazy and used to be drunken when he was painting a picture. That sounds like a technic to eliminate the control of consciousness, but his painting is far away from to be crazy or uncontrolled. His kind of painting has a very sensitiv, individual and unacademical manner. The piece uses - like colours or lines - different kinds of glissandos or trills which sometimes end in a sudden and disappearing movement. The phrases are sometimes interrupted by long pauses like white patches on the paper.

musica minima
seven pieces
for piano
1995
Musica minima is my second piece for piano solo. The first - entitled "Zeitrisse" (that means "ruptures" of time) - I have written in 1982 and it is characterized by a form dimensioned like a large maze. My second piano-composition is a concentrate of thinking about how to compose for this instrument, which is not really my instrument.
The music became as a result an aphoristic style. Only one specific gesture rules each section. This gives a sharp and sometimes paltry character to the musical expression. There dont exist any ornamental structure. That is the meaning of the word "minima". As a meta-level behind the real sound I decided to use the tonal plan of a cadence. Beside the normal piano-expression I used special technics to involve the three piano pedals especially the sostenuto-pedal, the noise of the falling down piano hammers and some rare preparations. Mostly two pieces a combined to a pair. Only no. 5 stands alone. Instead of to hear seven isolated pieces, you will realize at first two musical blocks which are fading out. Then the fifth piece follows. This piece is the most eruptive one. The time is structured convulsively, the pulse is always changing. The character is dominated by a splintery sound. And at least the third block which comes to the final end by a pizzicato chord. The notes of this ending chord are a combination of "F-major and f-minor", the tonal center of the whole composition. This sound could be heard as a quotation from the classical-romantic style, because these keys represent the "pastorale" and the "appassionata" as antipodes.
I have written the piece mostly at night in June of 1995 in Taipei my one month old sleeping son on my knees.
solos

Ogni pensiero vo
for soprano, bass clarinet and marimba 1991
Text aus Giovanni Battista Piranesi
"Ragionamento apologetico" zu dem "Diverse maniere" 1769
"...Or quanto alla prima delle costoro richieste io rispondo, che il grottesco ancora ha il suo bello, e reca diletto; e che quantunque le Cinesi maniere sieno lontane dalle greche niente meno, e forse più, che l´Egizie, e le Toscane, pur giodiamo di avere de´gabinetti, e delle stanze alla Cinese adobbate."
Jeder Gedanke fliegt
...auf diese Forderung möchte ich nun so bald als möglich antworten, daß das Groteske nämlich seine eigene Schönheit besitzt und Vergnügen bereitet und daß, obwohl die Manier der Chinesen weit von der der Griechen entfernt ist, um nichts weniger und vielleicht auch mehr der Ägypter und der Toskaner nur zum Vergnügen Kabinette besitzt und Zimmer wie die Chinesen ausschmückt...."
Vokalwerke/vocal works

omoitsutsu ... in Gedanken an...
Gespräche aus der Ferne
für Klarinette, Violoncello und Klavier 1994
Drei tankas", verfaßt von drei adligen Dichterinnen des japanischen Mittelalters ( Ono no komachi, Shunzei no musume und Uma no naishi ), dienten als Anregung und Ausgangspunkt. Eine spezielle Form des "tanka" ist der "waka", ein fünfzeiliges Kurzgedicht, dessen Blüte vor allem in der Heian-Zeit ( 798-1192 ) lag. Ein "waka" folgt einer strengen, unumstößlichen Form. Die Oberstrophe umfaßt 5+7+5 Silben, die Unterstrophe 7+7 Silben. Beide Abschnitte enthalten also 31 Silben. In diese Hülle von herber Klarheit wird eine Fülle von Andeutungen und flüchtigen Hinweisen verpackt, deren einziger Sinn eine Art Liebesbotschaft zwischen Mann und Frau, Liebhaber oder Liebhaberin ist. Dazu muß man wissen, daß während der der Heian-Zeit in Adelskreisen Mann und Frau auch während einer Ehe getrennt lebten.
Die ausgewählten Gedichte handeln von Sehnsucht und Trennung, von der Erinnerung an vergangene Lieben und auch vom Tod. Die starke Stilisierung des Moments der Trennung überhöht den privaten, intimen Charakter der Gedichte und hebt sie in den Raum des Ästhetischen.
Das Trio ist zu verstehen als ein "Lied ohne Worte". Der Text lieferte das Kontinuum, in das hinein die Töne tastend ihre Beziehungen entwickeln. Mit dem Sicheinlassen auf die drei japanischen Texte ging auch ein Prozeß der Anverwandlung einiger asiatischer Positionen der Gestaltung einher. Der Japaner, aber auch der Chinese, sieht im Abstrakten die Andeutung des Gegenständlichen. Der Vorgang der Abstrahierung gerät nie in den Strudel der Verselbständigung des Formalen. Das ist der gravierende Unterschied zum westlichen Verständnis von Abstraktion, die letzlich die Loslösung vom Gegenständlichen oder Figürlichen meint. Bei aller Reduktion ist in der Anschauung des Asiaten das Konkrete immer anwesend, als kaum faßbare, aber spürbare Erfahrung.
Das Spiel mit der strengen Form und der subtilen Andeutung, die das Ordnungsmoment scheinbar improvisativ wieder aufhebt, ist wesentlicher Bestandteil der Komposition. Im einzelnen sind die klanglichen Ereignisse, Häufigkeit von Tönen, Tonfolgen, kleine Phrasen und Gesten, streng nach der Silbenstruktur der lyrischen Botschaften ausgerichtet. Die Gestalten schweben dennoch im unfesten Aggregatzustand des Dazwischenseins. Der Zentralklang der großen Terz des-f durchpulst, durchweht die drei "Gespräche". Er ist ins gesamte Klangeschehen eingewoben. Die "Gespräche" werden gegliedert durch Zwischenspiele, die mit "Atmung" bezeichnet sind, in Anlehnung an die Vortragsweise eines "waka"-Gedichts, bei der das Aus- und Einatmen ein essentielles Gestaltungsmittel darstellt. Diese Intermezzi heben sich von den "Gesprächen" durch größere Dichte im Gestischen und Rhythmischen ab. Die erste "Atmung" ist ein kurzes und heftiges Aufleuchten, in der zweiten schwingt eine Art Mobile aus Klängen um einen Zentralton.
G e s p r ä c h I
Ono no komachi ( 9. Jhd. )
omoitsutsu - In Gedanken an
nureba ya hito no - meinen Geliebten fiel ich
mietsuramu - in Schlaf und träumte ihn
yume to shiriseba - und wußte nichts vom Traum
samezaramashi o - sonst hätt ich ewig geträumt.
A t m u n g I
G e s p r ä c h II
Shunzei no musume ( 1171 - 1254 )
omokage no - Der Mond, der mir einst
kasumeru tsuki zo - leis dein Gesicht gezeigt, ruht
yadorikeru - nun in den Tränen
haru ya mukashi no - auf meinem Ärmel, Tränen
sode no namida ni - eines vergangnen Frühlings.
A t m u n g II
G e s p r ä c h III
Uma no naishi ( 10. Jhd. )
au koto wa - Ist dies das letzte
kore ya kagiri no - Mal, daß wir uns begegnen
tabi naramu - auf unserem Weg ?
kusa no makura mo - Auch unser Kissen aus Gras
shimogarenikeri - welkte und starb schon im Frost.
trios
Audio
Ono no komachi (Bild/picture)

Pensieri sparsi e sogni del giorno
Zyklus in 15 Teilen für Violoncello Solo 2006/2007, ca. 75 min.
Prima parte (2006)
| I. |
incantato (verzaubert) |
4´30 |
| II. |
colori (Farben) |
4´10 |
| III. |
sfaccettato (facettiert) |
3´45
|
| IV. |
volatile (flüchtig) |
5´10 |
| V. |
alato (beflügelt) |
3´40
|
| VI. |
sconcerto (zerrissen) |
6´10 |
| VII. |
fiorente (aufblühend) |
4´30
|
| ------ |
|
|
|
Teil I
|
Gesamtdauer
|
31´55
|
Seconda parte (2007)
| VIII. |
voltate (Wendungen) |
4´25 |
| IX. |
...passava (im Vergehen) |
5´30 |
| X. |
scorrazando (durchstreifend) |
4´45 |
| XI. |
...s’invischi in oscuro
(...verstricke sich im Dunkel) |
3´42 |
| XII. |
rivoltarsi (sich umdrehen) |
5´25 |
| XIII. |
accolta (dal vento) (aufgehoben (vom Wind) |
6´10 |
| XIV. |
afflato (Hauch) |
6´50 |
|
XV.
|
ricordanza (Erinnerung)
|
5´40 |
| ------ |
|
|
|
Teil II
|
Gesamtdauer
|
42´50
|
solo
Audio
CD
FOLDER (PDF)

Picture´s rust
for soprano and bass clarinet 1991
Text:
William Hogarth (1697-1764)
...let the picture rust.
Perhaps Time´s price-enhancing dust
As statues molder into earth,
when I´m no more ·[may mark] its work
And future connaisseurs may rise,
Honest and ours, [and full and wise,]
To puff the piece and painter too,
[And make me then, what Guido´s now].
Vokalwerke/vocal works

Poemas del Otoño
Hommage à Pablo Neruda
für
Streichquartett ( 1979 )
Das Streichquartett Poemas del Otoño ( Gedichte im Herbst ) entstand 1979 und ist eine Hommage auf den chilenischen Dichter Pablo Neruda. Ich hatte bis dahin einige Arbeiten verfaßt, die im Zusammenhang mit Neruda´s Texten eine künstlerische Reaktion auf den Militärputsch in Chile waren. Meine Kompositionen wollten auf den Leidensprozeß dieses Volkes hinweisen, das in seinem Kampf gegen eine brutale Militärdiktatur von der Weltöffentlichkeit im Laufe der Zeit regelrecht vergessen wurde.
Eine kurze Skizze des Beginns: das ruhige Atmen der Einleitung wird jäh unterbrochen von heftig heraus geschleuderten Akkordblöcken. Der nun anhebende dramatische Prozeß pendelt zwischen dem scheinbar "Freien und "Strengen hin und her. Wie durch ein Nadelöhr gepreßt mündet er in eine wild schweifende Unisono-Linie, die in perkussionsartige Pizzicati zerplatzt.
Im ganzen Stück findet eine ständige Auseinandersetzung zwischen offenem und hermetischem Material statt. An einigen Stellen wird das Material umgepolt. Das scheinbar "Freie eignet sich den Gestus des "Strengen an und umgekehrt. Oder es kommt zu ambivalenten Strukturen, in denen sich keines der beiden Denkprinzipien entscheidend durchsetzt.
Das Stück endet mit einem Canto. Es ist die musikalisierte Bitte des Dichters um Ruhe und Frieden für sein Volk.
chamber music/stringquartets
Audio

Proportionen einer schlanken Frau
für Sopran, Klarinette, Bassklarinette, Kontrabaß und Schlagzeug 1990
Text:
Albrecht Dürer
"Schön und schöner ist nit leicht zu erkennen.
Und die Achsel ist als hoch als das Kehlgrüble.
Und die Höch leint sich über sich bis zu halben Hals.
Als lang die Stirn ist, also lang ist vom Wärzele zu
End der Brust, do die auf den leib stesst.
...do der Bauch auf am höchsten ist, hebt sich an der
Arsch hinten aushin zu gwelben in die Ründe."
Ein Kommentar zu der Studie reflexe schwebend für Bariton-Saxophon erscheint mir müßig. Der Titel regt m.E. ausreichend zu assoziativen Gedanken an. Hier sehe ich mich mit meinem amerikanischen Kollegen Lee Hyla auf einer Linie, der sein Duo für Bariton-Saxophon und Baßklarinette mit "we speak etruscan&quo |